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PFLEGE-FACHLEUTE WARNEN VOR KOLLAPS DES SYSTEMS

Zu wenig Personal, zu wenig Zeit, zu viel Bürokratie:Beim Fachgespräch in Wangen reden Betroffene Klartext

Wangen -  Wenn bei Dietmar Rabe das Telefon klingelt, kommt es vor, dass am anderen Ende der Leitung jemand weint, weil ein Angehöriger Pflege benötigt, aber keine bekommt. Manchmal sind es auch die Pflegebedürftigen selbst, die bei dem Hergatzer anrufen und um Unterstützung bitten. Und obwohl Dietmar Rabe einen privaten Pflegedienst betreibt, kann er diesen Anrufern nicht helfen. „Es gibt Klienten, die nicht versorgt werden können, weil es zu wenig Personal gibt“, sagt er. „Ich würde gerne Leute einstellen, kriege aber niemanden.“ 
 
Rabe diagnostiziert einen „gravierenden Pflegemangel“ – und er ist nicht der einzige. Bei einem Fachgespräch zu diesem Thema haben am Mittwoch im Wangener Rathaus Vertreter von Krankenhäusern, Altenheimen, Pflegediensten, Krankenpflegeschulen und Betriebsräten berichtet, was alles schief läuft. Dabei stellte sich heraus, dass es offensichtlich nicht an motivierten Auszubildenden mangelt, dass viele aber schon nach kurzer Zeit wegen des harten Berufsalltags dieser Tätigkeit wieder den Rücken kehren.  
  
Eingeladen zu der Gesprächsrunde hatte die Wangener Landtagsabgeordnete Petra Krebs (Grüne), die früher selbst als Krankenschwester gearbeitet hat. „Es gibt immer mehr ältere Menschen, und wir brauchen dringend mehr Manpower in der Pflege“, sagte sie. „Das Thema beschäftigt mich jeden Tag, und ich habe keine Lösung.“ Deshalb wolle sie den Dialog mit den Beteiligten vor Ort, ihre Ideen und Vorschläge, so Krebs.  
  
 
„Halbtot nach Hause kommen“  
  
Fast drei Stunden lang berichteten rund 25 Frauen und Männer von ihren Erlebnissen und Erfahrungen im Pflege-Berufsalltag. „Nicht die Arbeit an sich, sondern die Rahmenbedingungen sind belastend“, sagte Thomas Ebel, Leiter der Wangener Altenpflegeschule. Neben Wochenend- und Nachtschichten müssten Angestellte im Pflegebereich auch oft einspringen, wenn Kollegen ausfallen. Von einer Fachkraft habe er einmal den Satz gehört: „Oft geht’s nur noch darum, dass man nicht halbtot nach Hause kommt.“  
  
Peter Benk, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender der OSK Wangen, sagte: „Die Arbeitsbedingungen werden laufend schlechter, es gibt eine Arbeitsverdichtung, die Pflegekräfte sind überlastet.“ Immer mehr Angestellte würden ihre Arbeitszeit reduzieren. Das beobachtet auch Peter Brauchle vom Betriebsrat der Stiftung Liebenau, Bereich Teilhabe: „Viele flüchten sich in Teilzeit, weil sie 100 Prozent nicht mehr schaffen.“ Dies würde die Personalknappheit noch verschärfen.  
  
 
Zu wenig Zeit für die Patienten  
  
Dietmar Rabe beklagte den großen bürokratischen Aufwand, den er als „Wahnsinn“ bezeichnete. Annette Füssinger, Pflegedienstleiterin im Wangener Pflegeheim Hospital zum Heiligen Geist, stellte fest: „Die Mitarbeiter sind frustriert, weil sie zu wenig Zeit für die Patienten haben.“ Das sah auch Ernst Olbricht aus Amtzell so: „Pflege ist Beziehungsarbeit, und das funktioniert nicht mehr“, sagte der Vorsitzende des katholischen Pflegeverbands Baden-Württemberg. „Die Politik muss sehr viel Geld in die Hand nehmen, sonst sehe ich einen großen Crash auf uns zukommen, der die Grundfesten der Bundesrepublik Deutschland erschüttert“,  
so Olbricht.  
  
 
Motivation weicht Frust  
  
Dabei scheint die Pflege ein durchaus interessantes Berufsfeld für junge Menschen zu sein. „Die Bewerber, die zu uns kommen, sind oft begeistert“, berichtete Dorothee Maurer, Leiterin der Wangener Pflegeschule. Es gebe meist mehr Anmeldungen als Plätze. Doch nach wenigen Jahren im Beruf „wollen viele wieder raus“. Grund hierfür sei, dass es oft keine Kapazitäten für eine Einarbeitung der Berufsanfänger gebe und dass die anfangs motivierten jungen Menschen schnell frustriert seien, weil für das eigentlich Wichtige wie zum Beispiel Gespräche mit Patienten keine Zeit sei. Diese Erfahrung macht auch Bernd Wiggenhauser, der angehende Heilerziehungspfleger unterrichtet: „Die Schule brummt, und dann sind viele nach kurzer Zeit wieder draußen.“  
  
 
„Geld anders verteilen“  
  
Und die Lösung der Probleme? Neben den Vorstößen, Rentner mit Fachkenntnissen einzusetzen, um Spitzenzeiten abzudecken, die Beschäftigung ausländischer Pflegekräfte auszuweiten oder Frauen mit Kindern den Wiedereinstieg zu erleichtern, lag der Fokus beim Thema Geld. „Wir sind so ein reiches Land. Industrie und Wirtschaft werden unterstützt, aber bei der Pflege heißt es immer, es ist zu teuer“, klagte Annette Füssinger. „Ich kann meinen Mitarbeitern nicht mehr bezahlen als das, was ich von den Kassen bekomme“, sagte Dietmar Rabe. „Das Geld ist da, wir müssen es nur anders verteilen“, forderte Harald Becker von den Fachkliniken Wangen.  
  
 
Fallpauschale in der Kritik  
  
In diese Kerbe schlug auch Bärbl Mielich, Staatssekretärin im Sozialministerium, die Petra Krebs zum Fachgespräch dazugebeten hatte. Man müsse dringend die Fallpauschalen auf den Prüfstand stellen, diese hätten sich „nur bedingt bewährt“, so Mielich. Außerdem dürfe die Politik das Geld nicht mit dem Gießkannenprinzip verteilen, sondern es müsse strukturelle Veränderungen geben. Die Grundsatzfrage laute, ob das Thema Pflege wirtschaftlich oder als Daseinsfürsorge betrachtet werde.  
  
 
Zahlen und Prognosen zum Thema Pflege  
  
Eine Studie des statistischen Bundesamtes und des Bundesinstitutes für Berufsbildung aus dem Jahr 2010 geht davon aus, dass der Bedarf an Pflegevollkräften (sowohl Fachkräfte als auch Pflegehelfer) bis 2025 bundesweit um rund 27 Prozent gegenüber 2005 ansteigt. „Dies könnte bei konstanter Fortschreibung der Beschäftigungsstruktur zu einer Lücke von ausgebildeten Pflegekräften von rund 200 000 Pflegekräften im Jahre 2025 führen“, heißt es dazu auf der Homepage des Bundesgesundheitsministeriums. Der demografische Wandel zeigt aber klar, dass es in Zukunft immer mehr Pflegebedürftige geben wird, weil die Gesellschaft altert. Das statistische Landesamt Baden-Württemberg geht laut einem Ministeriumspapier davon aus, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in Baden-Württemberg allein aus demografischen Gründen von heute bis zum Jahr 2030 um 103 000 zunimmt. Das wären dann rund 402 000 pflegebedürftige Menschen im ganzen Land. (ric)  
  
 
Artikel aus: Schwäbische Zeitung, 18.01.2018  
  
Veröffentlicht am: 24.01.2018  /  News-Bereich: Über uns
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